Gedanken zum Facebook-WhatsApp-Deal

Ich bekenne mich zu den Datenkraken

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Facebook kauft für rund 14 Milliarden Euro WhatsApp. (Bild: WhatsApp)

Als ich die Meldungen vom Superdeal mit einer Kaufsumme von rund 14 Milliarden Euro lese, denke ich: „Wow, Respekt, so viel Geld für ein Datenvolumen von weltweit 450 Millionen Nutzern. Für meine Daten, für meine seit Jahren akribisch gesammelten Telefonnummern, die schon so manchen Handy- oder Smartphonewechsel überstanden haben.“ Und bin gleichzeitig ein bisschen neidisch auf WhatsApp-Gründer Jan Koum. Denn hinter diesem Mann steckt die klassische Tellerwäschergeschichte: Vom Essensmarkenempfänger zum Milliardär, mit der findigen Idee, mit einer kleinen App die Menschen zu verbinden. (Achtung: Parallelen zu Mark Zuckerberg)  Ich bin ein bisschen neidisch darauf, dass ich nicht diese Ideen während meines Studiums entwickelt und in die Tat umgesetzt habe – also es ist nicht so, als wenn ich auch nur einen Denkansatz in die Richtung hatte.

Ein klares NEIN zum Boykott

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Datenkrake WhatsApp… (Bild: WhatsApp)

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… und Datenkrake Facebook. (Bild: facebook)

Gleichzeit lese ich mit Verwunderung die Apelle meiner Social-Media-„Freunde“ an mich, WhatsApp zu boykottieren. Oder ich lese von Datenschützern, die Alarm schlagen. Aber bringt es etwas, wenn ich die eine Datenkrake mit Sicherheitslücken zurücklasse und mich gleich der nächsten anschließe? Müsste ich nicht die komplette virtuelle Welt hinter mir lassen, um davor geschützt zu sein? Und wollen wir, will ich das überhaupt? Für mich steht an dieser Stelle ein ganz klares: NEIN! Denn ich liebe die Vorzüge dieser Kommunikationsplattformen. Privat habe ich noch nie so einfach den Kontakt zu meinen „Freunden“ gepflegt.

Kostenlose Kommunikation auf Augenhöhe

Ich verfolge, was sie tun, ich schaue mir ihre Fotos, Postings und ihren Status an. Gleichzeitig sauge ich Informationen auf, die mich interessieren – beruflich sowie privat. Bei WhatsApp habe ich Gruppen mit denselben Interessen gegründet, die sich über das gleiche Thema austauschen können. Meine Eltern schicken mir Statusmeldungen und tolle Bilder aus dem Urlaub. Und auch beruflich nutze ich die Vorzüge solcher Angebote: Noch nie war es so einfach mit seiner Zielgruppe auf Augenhöhe zu kommunizieren und somit eine enge Bindung zu ihnen aufzubauen. Als Unternehmen weiß ich, was meinen Kunden an meinem Produkt gefällt oder auch nicht. Die Liste der Vorzüge ist lang… Und dabei ist wichtig: Ich kann das ganz oder beinahe kostenfrei nutzen. Ok, die 89 Cent im Jahr für WhatsApp: geschenkt! Doch, Moment, ich bezahle und zwar mit einer ziemlich hohen Währung, wie jetzt in dem facebook-WhatsApp-Deal deutlich wird, nämlich mit der Datenwährung.

Datennutzung, zu der ich mich entschieden habe – freiwillig

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In Gruppenchats tausche ich mich bei WhatsApp mit Gleichgesinnten aus. (Bild: WhatsApp)

Und das Interessante dabei ist ja: Ich habe mich dazu freiwillig entschieden, habe die Datenschutzbestimmungen und AGB der Anbieter akzeptiert, als ich mich bei facebook und Co angemeldet und WhatsApp auf mein Smartphone geladen habe. Das war ganz einfach, nur ein Klick und wenn ich ehrlich bin: Richtig durchgelesen habe ich es mir nicht. Es war mir auch egal, auch da bin ehrlich! Und deshalb kann und will ich mich jetzt nicht beschweren. Warum auch? Ist doch super, dieses tolle Angebot der Kommunikation nutzen zu können. Eigentlich weiß ich damit jetzt endlich, wie ich meine freie Zeit füllen kann. Und ein Wechsel zu einem anderen Messenger? Nein, denn da ist ja noch niemand von meinen Kontakten. Mit wem soll ich denn da kommunizieren? Und ich bin mir sicher: Auch hier bezahle ich mit meinen Daten! Und das tue ich sogar, wenn ich mich bei der Suchmaschine google bewege. Der, der sich über den Zufall wundert, wenn er plötzlich die zu seiner vorherigen Suche passenden Werbeanzeigen sehen kann, ist ganz schön naiv. Also bleibt nur die Möglichkeit: Runter von den Social-Media-Plattformen, raus aus dem Netz, weg von den Messengers. Und dann? Ab zur Post! Back to the roots.

Niemand für Kommunikation da

Als damals der Dampfer StudiVZ/MeinVZ drohte unterzugehen, habe ich lange gebraucht um zu wechseln. Aber da ging es nicht um die Datendiskussion, sondern darum, dass die Kommunikationsmöglichkeiten bei facebook einfach besser waren. Es hat aber seine Zeit gedauert, bis ich selber das sinkende Schiff verlassen und auf das Facebookschiff gewechselt bin. Bis heute bin ich immer noch bei MeinVZ angemeldet, mag mich nicht davon trennen, da bin ich bequem. Genauso bequem wie andere Nutzer. Und deshalb werde ich WhatsApp nicht abstoßen und zu einer anderen Datenkrake wechseln, denn dort ist ja noch keiner, mit dem ich Konversation betreiben kann. Also bleibe ich und habe dabei keine Bauchschmerzen, denn ich habe eingewilligt und nutze diesen Anbieter für eine „kostenlose“ Kommunikation – mal davon abgesehen, dass ich erst im Januar 89 Cent für ein weiteres Jahr WhatsApp bezahlt habe und ich die garantiert nicht aus dem Fenster werfe. Und obwohl seit Jahren das Thema Datenschutz mit der Plattform facebook in negativer Verbindung steht, bleiben die Leute beharrlich auf dem Schiff. Und so bekomme ich auch weiterhin, wenn ich mit meinen Unternehmensbotschaften in den Wald hineinrufe, wenigstens ein Echo.

Mailantwort für Zuckerberg

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Mit einem Brief wollte ich bei Mark Zuckerberg für die tolle kostenlose Kommunikationsplattform bedanken. (Bild: Meike Kluska)

Als sich Mark Zuckerberg im Rahmen des zehnjährigen Jubiläums „persönlich“ bei mir per E-Mail und auch mit einer Videobotschaft für seinen Erfolg bedankte, habe ich wirklich überlegt, ihm einfach zurück zuschreiben: „Lieber Herr Zuckerberg, ich danke Ihnen, dass Sie mir diese Plattform kostenlos für meine Kommunikation zur Verfügung stellen. Damit ermöglichen Sie mir und den Unternehmen die Chance, mit meiner Zielgruppe auf Augenhöhe zu kommunizieren. Außerdem haben Sie mir die Chance gegeben, an der Selbstdarstellung anderer teilzuhaben und die Kommunikation mitzubestimmen. Danke dafür.“

Blumen pflanzen für die Nachkommen

An einer Stelle habe ich sogar den Satz gelesen: Boykottiert WhatsApp, schützt eure Daten, das sind wir unseren Nachkommen schuldig. Also wenn ich etwas für die nachfolgende Generation tun möchte, dann trenne ich meinen Müll (es bedarf jetzt keiner Abhandlung darüber, dass ja nicht einmal mehr Mülltrennung garantiert ist) oder ich pflanze blühende Blumen in meinen Garten, damit wieder mehr Bienen Nahrung finden und somit mein sowie das Überleben der gesamten Menschheit gesichert ist. Aber ob ich das erreiche, wenn ich der gesamten virtuellen Welt da draußen den Rücken kehre? Ich denke nicht. Außerdem ist es doch ganz schön langweilig ohne – sind wir mal ehrlich!

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4 Gedanken zu “Gedanken zum Facebook-WhatsApp-Deal

  1. Liebe Mareike,
    ich stimme deinen Gedanken im weiten Teilen zu. Lies dir bitte einmal diesen Artikel durch:
    http://www.derwesten.de/staedte/hohenlimburg/wie-die-super-wanze-whatsapp-die-privatsphaere-aushoehlt-id8973421.html
    Aufgrund unseres geringen Wissens, wer was bei uns ausspioniert, fände ich es sinnvoll, wenn wir bei UI einmal dieses Thema aufgreifen, um uns einerseits zu informieren und andererseits gegenseitig zu beraten, was zu tun ist. WhatsApp scheint doch noch eine ganz andere Dimension zu besitzen als Facebook, was das Ausspionieren angeht. Warum sollte sonst Facebook den Laden aufkaufen?
    Was meinst du?
    Ich wünsche dir noch einen schönen, sonnigen Sonntag.
    Bis Mittwoch.
    Liebe Grüße
    Peter

    • Hallo Peter,
      eher geringes Interesse. Was WhatsApp „ausspioniert“ bekommen wir beim Herunterladen der App mitgeteilt. Das haben wir dann akzeptiert. Und das ist die Währung mit der wir kostenlose Angebote bezahlen. In der Regel liest sich das doch niemand durch.
      Aber klar, können wir gern einmal bei UI aufgreifen. Dafür müsstest du mit Mareike & Nina sprechen, denn ich bin „nur“ die Meike 🙂

  2. Ein sehr interessanter Artikel mit ganz Ansichtspunkten, die vermutlich der ein oder andere gar nicht so gesehen hat. Insbesondere die freiwillige Übergabe der eigenen Daten war doch im Grunde jedem bekannt und jetzt wird daraus ein großes Problem gezogen. Ich bin sehr gespannt, was daraus noch am Ende wird und wie die Mehrheit der Nutzer mit der Zeit reagieren werden.

    • Das kostenlose Angebot von Social Media wird vielfach unterschätzt – nichts ist umsonst! Und an dieser Stelle bezahlen wir mit der kostbarsten Währung des 21 Jahrhunderts, den Daten! Am Ende entscheidet die Community, wie weit sie mitgehen möchte! Aber bezahlen möchte auch (erst einmal) niemand für die Social-Media-Angebote.

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